Gesundheit zeigt sich im Gesamtbild
Starker Flugverkehr wirkt zunächst beruhigend. Auch eine grosse Brutfläche oder volle Honigwaben können positiv aussehen. Keines dieser Merkmale beschreibt allein den Gesundheitszustand.
Viele Bienen und grosse Honigvorräte können mit einer hohen Varroabelastung oder knapper Pollenversorgung einhergehen. Auch bei einer legenden Königin kann das Brutbild bereits auffällig werden.
Der Imker betrachtet deshalb mehrere Beobachtungen gemeinsam:
Gesundheit ist bei Honigbienen eine Eigenschaft des gesamten Volkes.
- Volksstärke und Altersstruktur
- Brutbild und Brutumfang
- Vorräte und Polleneintrag
- Verhalten am Flugloch
- Legeleistung der Königin
- gemessene Varroabelastung
- auffällige Brut oder tote Bienen
Varroa destructor hat die Westliche Honigbiene als neuen Wirt erschlossen
Varroa destructor ist ursprünglich ein Parasit der Östlichen Honigbiene Apis cerana. Durch den Wirtswechsel gelangte sie auf die Westliche Honigbiene Apis mellifera und verbreitete sich mit dem internationalen Austausch von Bienenvölkern fast weltweit.
Agroscope nennt 1984 als Jahr des ersten Auftretens in der Schweiz. Die meisten europäischen Honigbienenvölker begrenzen den Milbenbefall ohne wirksames Management nicht ausreichend.
Erwachsene weibliche Milben sind mit blossem Auge sichtbar. Sie wirken rötlich-braun und sind auffällig flach. Der grösste Teil ihrer Fortpflanzung bleibt dem direkten Blick entzogen, denn er findet in verdeckelten Brutzellen statt.
Varroa vermehrt sich in verdeckelter Brut
Kurz vor der Verdeckelung kann eine fortpflanzungsfähige Milbe in eine Brutzelle gelangen. Dort bleibt sie bei der sich entwickelnden Larve und späteren Puppe.
Nach dem Verschliessen der Zelle beginnt die Milbe mit ihrer Fortpflanzung. Ihre Nachkommen entwickeln sich in derselben Zelle. Wenn die fertige Biene schlüpft, verlassen begattete weibliche Milben die Zelle und können weitere Brut befallen.
Agroscope hält fest, dass die Vermehrung von Varroa destructor ausschliesslich in verdeckelten Brutzellen stattfindet. Lange Brutperioden und grosse Brutflächen eröffnen entsprechend viele Fortpflanzungsmöglichkeiten.
Drohnenbrut verlängert das Zeitfenster
Drohnen entwickeln sich länger unter dem Zelldeckel als Arbeiterinnen. Dieser Zeitraum begünstigt die Vermehrung der Milben. Drohnenbrut weist deshalb häufig einen höheren Befall auf.
Das Schweizer Varroakonzept führt den Drohnenschnitt als biotechnische Möglichkeit auf, mit der sich die Milbenentwicklung im Frühjahr bremsen lässt. Jungvolkbildung kann ebenfalls in ein Gesamtkonzept einbezogen werden.
Die Messung des Befalls bleibt notwendig. Eine einzelne Massnahme sagt noch nichts darüber aus, wie viele Milben sich später im Volk befinden.

Die Nahrung der Milbe hängt vom Lebensstadium ab
Die Forschung zur Nahrungsaufnahme von Varroa hat sich in den vergangenen Jahren präzisiert.
Auf erwachsenen Honigbienen nutzen die Milben überwiegend Fettkörpergewebe. Der Fettkörper ist an Energiespeicherung und Immunfunktionen beteiligt. Er unterstützt zudem Stoffwechsel und Entgiftung.
Eine 2024 in Nature Communications veröffentlichte Studie zeigt für die Fortpflanzungsphase in verdeckelten Brutzellen ein anderes Bild. Dort nehmen Varroamilben von den Bienenpuppen überwiegend Hämolymphe auf.
Der verursachte Schaden beginnt damit bereits während der Entwicklung der Biene und setzt sich auf erwachsenen Tieren fort. Hoher Befall kann Lebensdauer und Leistungsfähigkeit einer ganzen Generation beeinträchtigen.
Viren verstärken die Wirkung des Befalls
Varroamilben übertragen Bienenviren und können deren Ausbreitung im Volk fördern. Besonders bekannt ist das Deformed Wing Virus, kurz DWV.
Stark betroffene Bienen können mit deformierten Flügeln oder verkürztem Hinterleib schlüpfen. Viele sind kaum lebensfähig. Sichtbare Schäden zeigen bereits eine fortgeschrittene Belastung.
Virusinfektionen können auch ohne auffällige Flügel vorhanden sein. Agroscope empfiehlt deshalb das Varroakonzept ausdrücklich als wichtigen Teil der Prävention viraler Schäden.
Der nationale Massnahmenplan Bienengesundheit zählt Varroa zu den Hauptfaktoren für beeinträchtigte Bienengesundheit. Gleichzeitig verweist er auf das Zusammenwirken mehrerer Stressoren.
Der Spätsommer entscheidet über die Wintergeneration
Im Frühjahr wächst das Bienenvolk. Parallel dazu kann sich die Varroapopulation über viele Brutzyklen vermehren.
Nach dem saisonalen Höhepunkt nimmt die Zahl der Bienen wieder ab. Die Milbenpopulation bleibt dabei oft hoch. Dadurch kann der Befall pro Biene stark ansteigen.
In dieser Phase entstehen die langlebigen Winterbienen. Sie müssen mehrere Monate überstehen und im kommenden Frühjahr die erste neue Brut pflegen.
Werden viele dieser Bienen schon während ihrer Entwicklung geschädigt, startet das Wintervolk mit einer schwachen Grundlage. Das Schweizer Varroakonzept setzt die zentrale Sommerphase deshalb rechtzeitig an, bevor die Winterbienen vollständig aufgebaut sind.
Die Entstehung der Winterbienen im Bienenjahr einordnenBefall wird gemessen
Eine hohe Varroabelastung kann lange unauffällig bleiben. Das Volk fliegt weiter und trägt Nahrung ein. Auch die Königin kann weiterhin legen.
Sichtbar geschädigte Bienen oder ein plötzlicher Zusammenbruch treten häufig spät auf. Regelmässige Befallskontrolle gehört daher zur normalen Völkerführung.
Eine verbreitete Methode misst den natürlichen Milbenfall auf einer geschützten Unterlage unter dem Volk. Weitere Verfahren untersuchen Milben direkt an einer Bienenprobe.
Der Bienengesundheitsdienst ordnet die Verfahren nach ihrem Zweck. Einige bremsen die Entwicklung der Milbenpopulation. Befallsmessungen zeigen den aktuellen Handlungsbedarf. Die anschliessende Behandlung richtet sich nach diesem Ergebnis und der Jahresphase.
Varroamanagement begleitet das ganze Bienenjahr
Das aktuelle Schweizer Konzept verteilt die Arbeit über die Saison.
Im Frühjahr und Frühsommer können biotechnische Verfahren die Entwicklung der Milbenpopulation bremsen. Befallsmessungen zeigen, ob zusätzliche Schritte nötig werden.
Nach der Honigernte folgt die zentrale Sommerbehandlung. Im brutfreien Zustand im Spätherbst oder Winter sind weitere Massnahmen besonders wirksam, weil keine Milben unter Zelldeckeln geschützt sind.
Methode und Zeitpunkt richten sich nach Brutstatus, Temperatur und gemessenem Befall. Eingesetzt werden ausschliesslich in der Schweiz zugelassene Tierarzneimittel beziehungsweise die im aktuellen Konzept beschriebenen Verfahren.
Der Bienengesundheitsdienst aktualisiert seine Unterlagen laufend. Das verlinkte Varroa-Behandlungskonzept trägt die Version 2606.
Welche Arbeiten im Jahresverlauf daraus entstehenWeitere Erreger schädigen Brut und erwachsene Bienen
Honigbienen können verschiedene Viren tragen. Dazu gehören DWV sowie akute und chronische Paralyseviren. Eine Infektion führt abhängig von Virusmenge und Volkszustand zu sehr unterschiedlichen Folgen.
Bakterien und Pilze verursachen weitere Erkrankungen. Amerikanische Faulbrut und Europäische Faulbrut betreffen die Brut und unterliegen in der Schweiz tierseuchenrechtlichen Vorgaben. Kalkbrut wird durch einen Pilz verursacht und kann an mumifizierten Larven auffallen.
Agroscope beschreibt im Leitfaden Bienengesundheit die Erkennung und Diagnose sowie die vorgeschriebenen Massnahmen. Verdachtsfälle auf meldepflichtige Krankheiten gehören zum zuständigen Bieneninspektorat. Internetbilder ersetzen diese Abklärung nicht.
Die Königin prägt die Stabilität des Volkes
Alter oder unzureichende Begattung können die Legeleistung einer Königin beeinträchtigen. Verletzungen und Krankheiten kommen als weitere Ursachen infrage.
Das Brutbild kann lückig werden. Weniger Arbeiterinnen schlüpfen und der Altersaufbau verschiebt sich. So verliert ein Volk schrittweise an Stärke.
Auch der vollständige Verlust der Königin wird kritisch, wenn keine geeignete junge Brut für eine Nachschaffung vorhanden ist. Die Funktionsfähigkeit der Königin gehört deshalb zur Gesundheitsbeurteilung.
Nahrung gehört zur Gesundheitsvorsorge
Honig liefert den Bienen vor allem Energie. Pollen stellt wichtige Nährstoffe für Brut und junge Arbeiterinnen bereit.
Eine Landschaft kann im Frühjahr reichlich Nahrung bieten und wenige Wochen später in eine Trachtlücke geraten. Grosse Brutflächen erzeugen dann weiterhin hohen Bedarf.
Ein bereits belastetes Volk kann solche Engpässe schlechter ausgleichen. Die Vorräte müssen in ausreichender Menge vorhanden und für die Bienen erreichbar sein. Im Winter kann ein Volk trotz entfernter Futterwaben verhungern, wenn die Traube bei Kälte den Anschluss verliert.
Wasser unterstützt Brutpflege und Kühlung
Bienen benötigen Wasser für Vorgänge bei der Brutversorgung und zur Temperaturregelung. An heissen Tagen übernehmen spezialisierte Arbeiterinnen intensive Sammelflüge.
Eine gut erreichbare Wasserquelle reduziert lange Wege. Der Bienengesundheitsdienst berücksichtigt sie deshalb bei der Beurteilung eines geeigneten Standorts.
Pflanzenschutzmittel verlangen eine sachliche Abklärung
Pflanzenschutzmittel durchlaufen in der Schweiz ein Zulassungsverfahren, das auch Risiken für Honigbienen bewertet. Je nach Produkt gelten Auflagen für Anwendung und Zeitpunkt.
Agroscope arbeitet an Prüfverfahren für akute und längerfristige Wirkungen. Bei einem vermuteten Vergiftungsfall werden Bienen- und Pflanzenproben fachgerecht untersucht.
Viele tote Bienen vor dem Flugloch können verschiedene Ursachen haben. Für eine belastbare Klärung werden deshalb auch Krankheiten, Varroa und die Versorgungssituation berücksichtigt.
Imkerliche Eingriffe beeinflussen das Volk
Jede Öffnung verändert Temperatur und Geruch im Bienenstock. Sinnvolle Kontrollen gehören zur verantwortungsvollen Haltung. Ihre Durchführung und Häufigkeit sollten zur aktuellen Aufgabe passen.
Belastungen entstehen etwa durch Quetschen von Bienen oder Königin, verspätetes Varroamanagement und eine unpassende Raumgabe. Auch mangelhafte Futterkontrolle oder falsch angewendete Behandlungsmittel können Folgen haben.
Ein Eingriff braucht deshalb einen klaren Zweck. Beobachtung am Flugloch und Aufzeichnungen helfen, unnötige vollständige Durchsichten zu vermeiden.
Wabenhygiene begrenzt vermeidbare Risiken
Brutwaben werden mit jeder Generation dunkler. In den Zellen bleiben Kokonreste und weitere organische Bestandteile zurück. Rückstände oder Krankheitserreger können sich ebenfalls ansammeln.
Ein kontrollierter Wabenaustausch gehört zur guten imkerlichen Praxis. Sauber gewonnenes eigenes Bienenwachs kann dabei in einen nachvollziehbaren Wachskreislauf zurückgeführt werden.
Räuberei verbreitet Belastungen zwischen Völkern
Bei Nahrungsmangel versuchen Bienen gelegentlich, Vorräte aus anderen Völkern zu holen. Schwache Einheiten sind besonders gefährdet.
Mit den räubernden Bienen können Krankheitserreger und Varroamilben zwischen Völkern gelangen. Verflug und das Verstellen von Bienenvölkern schaffen weitere Übertragungswege.
Agroscope hebt wegen der hohen Schweizer Bienendichte die Prävention besonders hervor. Sauberes Arbeiten und gesunde Völker schützen damit auch benachbarte Stände.
Die Asiatische Hornisse erhöht den Druck
Vespa velutina jagt Honigbienen. Bei starkem Beflug kann die Sammelaktivität eines Volkes deutlich sinken.
Gesunde und gut versorgte Völker können Verluste besser ausgleichen. Kleine oder bereits geschwächte Einheiten reagieren empfindlicher.
Die Hornisse kommt als zusätzlicher Belastungsfaktor hinzu. Varroakontrolle und ausreichende Vorräte bleiben für die Widerstandskraft des Volkes zentral.
Die Asiatische Hornisse als zusätzlichen Belastungsfaktor verstehenGesunde Winterbienen tragen das nächste Frühjahr
Ein starkes Volk im Juni kann bis zum Winter erheblich an Gesundheit verlieren. Der entscheidende Übergang beginnt im Spätsommer.
Jetzt entstehen langlebige Winterbienen. Gleichzeitig müssen Vorräte vorhanden sein und der Varroabefall wirksam begrenzt werden.
Versäumnisse zeigen sich mitunter erst Monate später. Ein Winterverlust hat seine Ursache deshalb häufig lange vor dem ersten Frost.
Schnell beantwortet
Häufige Fragen
Was ist die grösste Gefahr für Honigbienen in der Schweiz?
Varroa destructor gehört bei bewirtschafteten Honigbienenvölkern zu den wichtigsten einzelnen Belastungsfaktoren. Für konkrete Völkerverluste können mehrere Ursachen zusammenwirken.
Kann ein Bienenvolk mit Varroa leben?
Ein niedriger Befall verursacht nicht sofort sichtbare Schäden. Ohne wirksames Management kann die Milbenpopulation stark anwachsen und das Volk direkt sowie über Viren gefährden.
Warum sieht man Varroa oft erst spät?
Während der Brutperiode befindet sich ein Teil der Milben verborgen in verdeckelten Zellen. Auch Virusinfektionen können vorhanden sein, bevor geschädigte Bienen auffallen.
Warum ist Varroa im Spätsommer besonders kritisch?
Dann entstehen die langlebigen Winterbienen. Gleichzeitig kann die Milbenpopulation nach vielen Brutzyklen hoch sein.
Was bedeuten deformierte Flügel?
Deformierte Flügel sind ein typisches Zeichen einer starken Infektion mit Deformed Wing Virus. Seine Verbreitung ist eng mit Varroa verbunden. Für die Beurteilung wird das gesamte Volk betrachtet.
Können Bienen an Futtermangel sterben?
Ja. Das Volk braucht ausreichende Energie- und Pollenversorgung. Im Winter spielt zusätzlich die Erreichbarkeit der Vorräte eine Rolle.
Woran erkennt man ein gesundes Brutbild?
Ein gut funktionierendes Volk zeigt typischerweise zusammenhängende Brutflächen mit plausibler Altersabfolge. Einzelne Leerzellen sind normal. Stark lückige oder veränderte Brut verlangt eine genauere Beurteilung.
Sind Pflanzenschutzmittel die häufigste Ursache für Völkerverluste?
Die Schweizer Fachstellen stützen diese pauschale Aussage nicht. Bei einem Schadensfall werden mögliche Vergiftung, Krankheiten, Varroa und Versorgung gemeinsam abgeklärt.
Warum werden alte Brutwaben ersetzt?
Mit jeder Brutgeneration sammeln sich Kokonreste und weitere Stoffe in den Zellen. Regelmässiger Wabenaustausch unterstützt Hygiene und einen kontrollierten Wachskreislauf.
Kann eine Durchsicht die gesamte Bienengesundheit zeigen?
Eine Durchsicht liefert viele Hinweise. Verdeckter Varroabefall oder Virusbelastungen bleiben dabei teilweise unsichtbar. Befallsmessungen und bei Bedarf eine Fachdiagnostik ergänzen die Beobachtung.
Fachliche Grundlagen
- Agroscope: Varroa
- Agroscope: Bienenkrankheiten
- Agroscope: Viren bei Honigbienen
- Bienengesundheitsdienst: Varroa-Behandlungskonzept V 2606
- Agroscope: Pflanzenschutzmittel und Bienenschutz
- Bund und Agroscope: Nationaler Massnahmenplan Bienengesundheit
- Fachstudie: Entwicklungsstadium bestimmt die Nahrung von Varroamilben


